Der Beruf des Baumpflegers, oder: die 8. Fachrichtung?

Bäume haben den Menschen schon immer fasziniert, in vielen Kulturen werden sie verehrt, sind sogar überlebenswichtig für uns Menschen. Wen wundert es, dass die Bedeutung der Bäume in unserem Leben auch heute noch steigt, und dementsprechend einen eigenen Berufszweig erfordert. Man mag sich nicht ausmalen, wie viele Unfälle Tag für Tag passieren würden,
gäbe es keine Baumpfleger. Umkippende Bäume, herabstürzende Äste, das wäre wohl an der Tagesordnung.

Deswegen in Städten auf Bäume verzichten?

Das wäre ein riesiger Verlust und kann ich mir ehrlichgesagt auch nicht vorstellen, ein Leben ohne Bäume.Also wird der Baumpfleger gebraucht, er beseitigt die Gefahr, bevor etwas passiert.

Zu seinen Aufgaben zählen Baumfällungen, Totholzentnahmen, Herstellen des Lichtraumprofils an Straßen, Einkürzungen von überlangen, windlastigen Ästen, und die Sicherung von bruchgefährdeten Stämmlingen mittels dynamischer Kronensicherung. Doch nicht nur das, auch der Schnitt an Jungbäumen prägt diese für ihr ganzes Baumleben, wodurch schon in der „Jugend des Baumes“ späteren Astbrüchen vorgebeugt und die Kronenentwicklung positiv beeinflusst wird.

Zum Tätigkeitsbereich des Baumpflegers gehört ebenso die Baumkontrolle, vorausgesetzt er besitzt das nötige Fachwissen oder die Weiterbildung zum Baumkontrolleur nach Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL). Die Kontrolle eines Baumes findet in der Regel alle 1-3 Jahre statt, je nach Zustand des Baumes
und nach Verkehrsaufkommen im direkten Baumumfeld.

Wie kommt der Baumpfleger eigentlich in den Baum?

Die schonendste Art im Baum zu arbeiten, ist es, mit Seilklettertechnik den Baum abzuarbeiten. Im Gegensatz zur Hubarbeitsbühne komme ich als Kletterer viel besser an jede Stelle im Baum. Mit dem Korb ins Innere der Baumkrone zu fahren, gestaltet sich schon schwieriger, denn Kambiumschäden und kleinere Astabbrüche passieren schnell mal. Die Faustregel besagt jedoch: Dort, wo ich mit der Hubarbeitsbühne stehen und arbeiten kann, wird mit Arbeitsbühne abgearbeitet, die unzugänglichen Bäume werden abgeklettert.

Sicherheit in der Baumpflege

Die Arbeit mit Bäumen ist sehr vielfältig und abwechslungsreich und macht viel Spaß, ist aber auch sehr gefährlich. Die Sicherheit von Menschen steht immer an erster Stelle. Hierzu gehört eine Reihe von Sicherheitsmaßnahmen, die beachtet werden müssen,
unter anderem die Absicherung der Baumstelle durch Warnschilder, das Tragen von Helm und Schutzbrille.
Baumkletterer müssen auch immer mindestens zu zwei Kletterern auf der Baustelle sein, um die Rettung des anderen Kletternden zu gewährleisten, falls er sich verletzt.
Der Aufsichtsführende ist immer derjenige mit der meisten Erfahrung, die Verantwortung kann nicht abgegeben werden. So schreibt es die SVLFG (Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten, Gartenbau, ehemals Gartenbau-BG) vor.

Nach welchen Richtlinien schneidet man Bäume?

Sämtliche Richtlinien für Baumarbeiten finden sich in den Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen und Richtlinien für Baumpflege (kurz ZTV-Baumpflege), an die sich jeder Baumpfleger möglichst halten sollte. Herausgegeben wird sie von der FLL. Durch sich ständig ändernde äußere Bedingungen, wie z.B. vermehrt aufkommende Stürme, werden die Richtlinien der ZTV-Baumpflege regelmäßig angepasst und überarbeitet.

In der ZTV ist z.B. auch geregelt, worauf ich beim Baumschnitt achten muss:

Bei einer Einkürzung muss der Versorgungsast mindestens ein Drittel des Durchmessers der Schnittstelle dick sein, damit der Ast weiterhin versorgt wird. Ist der Versorgungsast dünner, kann es sein, dass er abstirbt. Beschädigungen und Schnittverletzungen werden vom Baum innerhalb des Holzes abgeschottet. Die Baumarten werden in stark und schwach abschottende Arten unterteilt. Bei schwach abschottenden Baumarten sollten keine größeren Schnitte als 5 cm durchgeführt werden. Bei stark abschottenden Arten kann man maximal bis zu 10 cm dicke Schnitte durchführen.
Ebenso wie die ZTV-Baumpflege, sollte jeder, der mit Bäumen arbeitet, das Bundesnaturschutzgesetz und die jeweilige regionale Baumschutzsatzung kennen.

Besonders spannend ist es für mich als Baumpfleger, wenn ich nach mehreren Jahren an ein und demselben Baum arbeite, den ich eingekürzt habe, und nun beobachten kann, wie der Baum auf die Maßnahme reagiert hat. Sind die Schnittwunden vom letzten Schnitt vielleicht schon überwallt (Kallusbildung)?

Anhand des Fortschritts bei der Überwallung kann ich u.a. die Vitalität des Baumes erkennen. Ist die Form der Krone gleichmäßig gewachsen? Was hätte ich wie noch besser machen können? Man lernt eben nie aus.

Nun zur Frage aller Fragen: Wie wird man eigentlich Baumpfleger?

Der Weg zum qualifizierten Baumpfleger ist lang und bedarf einer eigenen Ausbildung: Einzelne Baumpflegebetriebe bieten seit Kurzem eine freie Ausbildung an, die drei Jahre dauert und in der man alles rund um die Arbeit am und im Baum erlernt, inklusive Seilklettertechnik. Eine eigene staatlich anerkannte Berufsausbildung gibt es leider noch nicht. Zumindest nicht in Deutschland. In England, der Schweiz, Australien, Neuseeland und den USA (ich hoffe, ich habe kein Land vergessen) ist der Baumpfleger oder Arborist als Ausbildungsberuf schon länger etabliert. Da hinkt Deutschland ein wenig hinterher. Bei uns ist eine Ausbildung im Garten-und Landschaftsbau (hier am besten in einem Betrieb mit Baumpflegeabteilung) oder in einer Baumschule ein guter Start in die Welt der Bäume.

Anschließend empfiehlt sich eine Ausbildung in der Seilklettertechnik und zum European Tree Worker. Die Fortbildung zum European Tree Worker ähnelt in etwa einem Gesellentitel der Baumpflege und ist ein europaweit anerkanntes Zertifikat. Diese lässt sich in zwei Varianten absolvieren, als Climber (mit Seilklettertechnik-Scheinen) oder als Platformer (auf der Hubarbeitsbühne).

Wer dann noch nicht genug hat, kann noch den „Meister“ der Baumpflege, den Fachagrarwirt- für Baumpflege und Baumsanierung absolvieren.

Auf europäischer Ebene bietet der European Tree Technician (ETT) die Ergänzung zum European Tree Worker.

Welche Eigenschaften man zum Baumpfleger mitbringen sollte?

Teamgeist, Wetterfestigkeit, Ausdauer, Freude an Bäumen und der Natur und die Bereitschaft sich ständig weiterzuentwickeln.

Viele Grüße aus der Welt der Bäume wünscht Jannis Schwardmann aus Velbert.

Quelle: Junggärtner NRW 

Jannis

Autor: Jannis

Hi, ich bin Jannis und arbeite am liebsten im und am Baum. Wenn ihr mehr über mich erfahren wollt, dann schaut mal auf meinem Profil vorbei oder lest fleißig meine Beiträge.