Azubiaustausch: Das Geheimnis der nordischen Gemütlichkeit – von Arbeitszeiten und Arbeitsabläufen

Man weiß nicht viel über das kleine skandinavische Königreich Dänemark. Sie haben eine Königin und werden immer wieder als das glücklichste Volk der Welt betitelt. Doch wie sieht es dort mit der Work-Life Balance aus? Arbeiten die Dänen weniger oder einfach effektiver? Häufig hört man von Dänemark als glücklichstes Land der Welt. Welche Auswirkungen haben ein geregelter Feierabend und wie erträgt man den langen Winter dort?

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Der lange Winter wird überdauert – die Sommermonate richtig genutzt

Die Dänen schimpfen natürlich über die langen, dunklen, nordischen Winter aber sie nutzen daher besonders ausgiebig die lichtintensiven Sommermonate. In meinem Auslandspraktikum habe ich deutlich gemerkt, dass zur Saisoneröffnung Ende Juni die Besucherzahlen deutlich stiegen. Der Tropenaussteller Randers Regnskov hat das ganze Jahr über geöffnet, aber in den Sommermonaten ist der Besucheransturm enorm. Auch sehr viele Radfahrer, Jogger und Spaziergänger sind dann in der Natur unterwegs.

Eine starke Umgewöhnung waren die hellen Nächte – die Sonne geht im Sommer im nördlichen Teil Dänemarks sehr spät unter und früh auf, die Nächte sind sehr hell. Dem Körper fehlt völlig das Zeitgefühl. Man muss aufpassen, dass man seinen Schlafrhythmus nicht durcheinanderbringt, da man sich abends fast gar nicht müde fühlt, was sich am Morgen rächt.

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Die Pausenzeiten und Feierabende werden eingehalten

Bei meinem Arbeitgeber wurden die Pausenzeiten eingehalten oder eher verlängert aber auch der pünktliche Feierabend hatte Priorität.

Der Tag begann um 7 Uhr mit einer Besprechung, was den Tag über ansteht und wer welche Arbeiten erledigt. Alle Mitarbeiter sind zwischen 6.45 und 6.55 eingetroffen, um noch einen Kaffee zu trinken oder sich anderweitig zu unterhalten. Nach der Besprechung haben wir mit der Arbeit begonnen. Die Frühstückspause war um 10 Uhr, diese ging 10 Minuten, was meistens etwa 15 Minuten entsprach (: Mittag wurde um 11.30 Uhr gegessen. Die Mittagspause wurde meistens von 20 auf 30 Minuten verlängert. So konnte jeder Mitarbeiter gemütlich zu Ende essen. Am Ende des Arbeitstages um 15 Uhr gab es vorher erneut eine Besprechung von 5 Minuten Länge. Diese wird allerdings von manchen Mitarbeitern als weniger sinnvoll erachtet, da man nicht wirklich weiß, worüber man dort sprechen soll. Aber auch diese Besprechung wird einen Sinn haben, da sie Bestandteil jedes Arbeitstages ist.

 

Grundsätzlich war die Arbeitsgeschwindigkeit leicht geringer, was aber damit zusammenhängt, dass der Tropenaussteller Randers Regnskov kein produzierender Betrieb ist, der wirkliche Termine oder Deadlines hat. Ich komme aus einem Zierpflanzenbetrieb, in dem es meistens richtig zur Sache geht. Die Arbeit auf den nächsten Tag verschieben kann man dort nicht. Die Arbeitseinstellung der Dänen ist da anders. Das Wochenende und die Familie sind wichtig, die Arbeit muss eben wann anders erledigt werden, wenn sie nicht geschafft wurde. Ganz anders diese Ameisen, die nicht ruhen, bevor auch der letzte Futtervorrat in das Nest gebracht wurde – faszinierend, oder?

Hast du denn ähnliche Erfahrungen mit ausländischen Arbeitskräften erlebt, die langsamer oder auch schneller gearbeitet haben? Wie ist denn deine Arbeitseinstellung? Wie wichtig ist dir der Feierabend und das Wochenende?

 


In drei weiteren Blog-Beiträgen erzähle ich auch nach und nach alles über mein Praktikum und die Zeit in Dänemark. Lest nächste Woche, wie ich eine Gastfamilie in Dänemark gefunden habe. Ich hoffe, ich begeistere euch mit dieser Serie für einen Auslandsaufenthalt während der Ausbildung.

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